Die Route: Travemünde – Aalborg – Kopenhagen
Die Fracht: 6,5t Yacht (Ostsee-Flitzer) & 19,3t Weihnachts-Süsswaren
Travemünde – Ein Hauch von Luxus im Morgengrauen
Der Hafen von Travemünde hat sein ganz eigenes Flair. Wenn die großen Skandinavien-Fähren anlegen und das erste Licht den Leuchtturm trifft, weiß ich, warum ich diesen Job mache. Diesmal stand eine 6,5-Tonnen-Yacht auf dem Plan. Im Vergleich zur Asphaltfräse fast ein Leichtgewicht, aber bei Booten ist die Form die Tücke – windanfällig und jeder Kratzer im GFK kostet ein Vermögen.
Das Verladen war Präzisionsarbeit. Der Kranführer und ich verständigten uns fast ohne Worte. Die Yacht wurde sanft in die Stützen meines Trailers gesetzt. Spanngurte mit Kantenschutz drum, die Plane noch einmal glattgezogen – mein Scania S war bereit. Ein doppelter Espresso am Fährterminal, ein kurzer Check der Route, und ab ging es Richtung Norden.
Kurs Nord: Die E45 ist mein Zuhause
Die Fahrt durch Schleswig-Holstein war entspannt. Hinter Flensburg öffnet sich die Landschaft – Dänemark empfängt einen mit dieser unendlichen Weite und dem typischen, klaren Licht. Der Scania schnurrte die E45 hoch, vorbei an Kolding und Aarhus.
Pause mit Aussicht: Kurz vor Randers hielt ich an einem kleinen Rastplatz. Während ich mir ein Smørrebrød mit Hering gönnte, kam ich mit einem dänischen Kollegen ins Gespräch, der alte Volvo-Teile transportierte. Wir philosophierten über die neuen Maut-Regeln und er gab mir einen Tipp für ein fantastisches Fischrestaurant in Aalborg. „Kyrre, wenn du da bist, musst du den gebratenen Schollenfilet probieren!“ – Gesagt, getan.
In Aalborg angekommen, lieferte ich die Yacht direkt am Limfjord ab. Der neue Besitzer, ein Segellehrer im Ruhestand, war sichtlich gerührt. Solche Übergaben sind das Salz in der Suppe.
Aalborg – Die süße Last
Kaum war der Trailer leer, vibrierte das Handy. Die Dispo hatte ein „Sonderangebot“ für den Rückweg nach Seeland:
„Kyrre, wir haben da was für die Nerven. 19,3 Tonnen Weihnachtsschokolade. Muss dringend ins Zentrallager nach Kopenhagen. Die Dänen brauchen ihren Zucker!“
Fast 20 Tonnen Schokolade sind eine Ansage. Der Scania merkte das Gewicht sofort, als ich vom Hof rollte. Von „Leichtigkeit“ war keine Rede mehr – der Trailer lag satt auf der Straße, und jede Bremsung wollte wohlüberlegt sein.
Die Storebælt-Brücke: Wind gegen Schokolade
Die Fahrt von Jütland rüber nach Fünen und weiter Richtung Seeland war spektakulär. Das Highlight war natürlich wieder die Storebælt-Brücke. Der Wind drückte mit ordentlichen Böen von der Seite, und mit fast 20 Tonnen Schokolade im Rücken spürst du jede Bewegung. Ich hielt das Lenkrad fest umschlossen, den Blick konzentriert auf die Pylone gerichtet. Der Ausblick über den Belt war atemberaubend – das Meer tiefblau, die Wellen mit weißen Schaumkronen.
Kurz vor Kopenhagen legte ich meine letzte Pflichtpause ein. Im Führerhaus roch es (vielleicht bilde ich mir das auch nur ein) dezent nach Kakao. Ich gönnte mir einen starken schwarzen Kaffee und ein dänisches Wienerbrød. Draußen wurde es langsam dunkel, die Lichter der Hauptstadt flackerten am Horizont.
Kopenhagen – Endstation Sehnsucht
Die Ankunft im Logistikzentrum von Kopenhagen war Routine. Die Rampe wurde angesteuert, die Tore öffneten sich, und die 19,3 Tonnen Süßigkeiten verschwanden im Bauch des Lagers. „Pünktlich wie die Maurer“, grinste der Lagerleiter und drückte mir zum Abschied – wie könnte es anders sein – eine Tafel dunkle Schokolade in die Hand.
Den Scania parkte ich später in der Nähe des Hafens. Ein kurzer Spaziergang Richtung Nyhavn, die bunten Häuser, das bunte Treiben. Zum Abendessen gab es eine Portion dänische Hotdogs (Rød Pølse) am Stand – bodenständig und gut.
Was kommt als Nächstes? Ich liege jetzt in der Koje und schaue aus dem Fenster auf die Stadtlichter. Morgen früh entscheidet die Dispo. Geht es über die Öresundbrücke weiter nach Schweden? Oder wartet eine Ladung Designermöbel für den Weg zurück nach Deutschland?
