Die Tour: Helsingborg – Stockholm – Hamburg
Die Fracht: 10,4 Tonnen PKW (und die Vorfreude auf Urlaub)
Der „Nachschlag“ vor dem Urlaub
Eigentlich hätte ich nach der Mode-Tour nach Helsingborg direkt den Heimweg antreten können. Aber wie das so ist: Wenn man schon mal im Norden ist und die Dispo mit einer charmanten Gelegenheit lockt, sagt man nicht Nein. „Kyrre, wir hätten da 10,4 Tonnen Autos. Ziel: Stockholm. Passt das noch rein?“
Und ob das passte. Ein klassischer Fahrzeugtransport, kein Papierkrieg, keine Begleitfahrzeuge. Also kurz den Autotrailer organisiert, die Wagen mit der Routine von tausenden Kilometern gesichert und ab dafür. Ein kleiner Roadtrip durch das Herz Schwedens, bevor ich den Zündschlüssel für zwei Wochen ganz tief in der Tasche vergraben würde.
Tag 1: Der Rhythmus der E4
Schweden hat seinen ganz eigenen Schlagschlag. Wer hier hetzt, verliert. Morgens in Helsingborg war die Luft noch angenehm kühl und trug das Salz des Öresunds herüber, als ich den Scania Richtung Norden lenkte.
Die Strecke nach Stockholm ist mit knapp 600 Kilometern fast schon ein Katzensprung, aber die Kulisse ist unschlagbar: dichte, tiefgrüne Nadelwälder, die typischen roten Holzhäuser und immer wieder diese Warnschilder mit den Elchen. Gesehen habe ich leider keinen – wahrscheinlich waren sie klug genug, sich im Schatten zu verstecken.
Pause am Vätternsee: In Jönköping legte ich einen Stopp direkt am Wasser ein. Während der Kaffee im Truck kochte, saß ich mit einem Knäckebrot am Ufer und beobachtete die Segelboote. In solchen Momenten spüre ich die Freiheit meines Berufs am stärksten: Ich bin zwar verantwortlich für wertvolle Fracht, aber mein Bürofenster zeigt mir jeden Tag eine andere Welt.
Nachmittags gab es noch den obligatorischen Stopp für Kanelbullar und einen dieser schwedischen Tankstellenkaffees, die stark genug sind, um einen Elch umzuhauen. Ein kurzer Plausch mit einem einheimischen Veteranen über Touren nach Lappland, dann rollte ich abends entspannt in Stockholm ein. Die Übergabe war Formsache – der Kunde glücklich, ich zufrieden. Und jetzt? Jetzt war die „Pflicht“ vorbei.
Drei Tage Stockholm: Wenn der Trucker zum Tourist wird
Stockholm empfing mich mit spätsommerlichem Kaiserwetter. Ich parkte den Scania auf einem sicheren Platz, tauschte die Arbeitsschuhe gegen Sneaker und tauchte ab in die Stadt.
- Tag 1: Geschichte zum Anfassen. Ein langer Marsch durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen der Gamla Stan. Später im Vasa-Museum stand ich vor diesem gigantischen Kriegsschiff von 1628 – beeindruckend, was die Schweden da aus dem Schlamm gerettet haben.
- Tag 2: Inselhopping. Ich tauschte das Lenkrad gegen ein Decksticket und fuhr hinaus in die Schären. Hunderte kleine Inseln, glitzerndes Wasser und ein frisches Räksmörgås (Garnelenbrot) in der Hand. Die Seele baumeln lassen – genau das hatte ich gebraucht.
- Tag 3: ABBA & Köttbullar. Ein bisschen Kitsch im ABBA-Museum musste sein, gefolgt von einem deftigen Teller Köttbullar mit Preiselbeeren in einem winzigen Restaurant hinter der Oper. Keine Termine, keine Dispo, kein Zeitdruck. Einfach nur Kyrre in Stockholm.
Die Heimfahrt: Leerfahrt in den Feierabend
Am vierten Morgen hieß es Abschied nehmen. Den Trailer gab ich planmäßig zurück, und dann ging es „solo“ im Scania zurück Richtung Süden. Ohne Last im Rücken fühlt sich der LKW fast wie ein Sportwagen an. Über die Öresundbrücke ging es zurück nach Dänemark und weiter nach Hamburg.
In der TUKS-Zentrale angekommen, war die Stimmung bestens. Ich parkte den Scania auf seinem Stammplatz, schüttelte ein paar Hände in der Geschäftsführung und gab ein kurzes Update zu den Projekten. Aber dann war Schluss. Handy aus, Schlüssel abgeben, tief durchatmen.
Das Fazit: Kleine Tour, große Wirkung
Manchmal sind es nicht die tonnenschweren Schwertransporte oder die komplizierten Logistik-Puzzles, die am längsten nachhallen. Es sind diese Touren, die man mit ein bisschen Zeit für sich selbst verbindet. Die Orte, die man sonst nur mit 80 km/h im Rückspiegel sieht, endlich mal zu Fuß zu erkunden – das ist der wahre Luxus auf der Straße.
Und jetzt? Jetzt ruft der Urlaub! Zwei Wochen ohne Autobahnen, ohne Tacho und ohne Frachtbriefe. Was ich danach mache? Wer weiß. Vielleicht eine Tour in den tiefen Süden oder doch wieder hoch in den Norden?
