Zwischen Küstennebel und Fritten-Kult: Kurs auf Rotterdam

Die Route: Paluel (Frankreich) – Gent (Belgien) – Rotterdam (Niederlande)

Die Fracht: 11,4 Tonnen Teleskoplader (JCB 540-180)

Abschied vom Atlantik: Wenn der Diesel nach Salz schmeckt

Der Morgen in Paluel begann mit dem besten Wecker der Welt: Meeresrauschen und der Schrei der Möwen. Bevor ich den Scania startete, nahm ich mir einen Moment Zeit, atmete die salzige Luft tief ein und verabschiedete mich bei einem Croissant und einem Café au Lait von der Normandie.

Am Vormittag wartete der nächste Auftrag. Im Vergleich zur 44-Tonnen-Asphaltfräse der letzten Tage wirkte der JCB Teleskoplader fast wie ein Spielzeug. Aber Routine ist der Feind der Sicherheit: Auch 11,4 Tonnen müssen perfekt sitzen. Also: Rampen runter, rauf mit dem JCB, Gurte fest, Kontrollblick. Alles passte. Der Scania schnurrte zufrieden, als wir die Küste hinter uns ließen.


Nordfrankreich: Coq au Vin statt Zeitdruck

Das Schöne an diesem Auftrag? Kein gnadenloser Termindruck. Ich konnte die Route durch die grünen Hügel Nordfrankreichs richtig genießen. Vorbei an alten Steindörfern, in denen die Zeit stehengeblieben zu sein schien, ließ ich mich treiben. Passend zur Kulisse lief ein Podcast über die Geschichte der Region – man lernt ja nie aus.

Zum Mittagessen gab es ein echtes Highlight. Statt lielosem Fastfood an der Tanke fand ich ein kleines Dorfbistro.

Begegnungen am Wegesrand: Der Wirt war früher selbst Trucker. Wir servierten uns gegenseitig Geschichten – er mir von seinen alten Touren durch Spanien, ich ihm ein Coq au Vin, das so gut war, dass ich fast vergessen hätte, dass ich eigentlich im Dienst bin. Genau dieser Austausch unter Kollegen ist es, der unseren Job so besonders macht.


Belgien: Entschleunigung auf Flämisch

Am Nachmittag überquerte ich die Grenze nach Belgien. Da die Sonne so herrlich schien, entschied ich mich für einen kleinen „Geheimtipp“ nahe Gent: ein gesicherter Parkplatz an einem kleinen See.

Hier schaltete ich komplett ab:

  1. Privatsphäre: Ein langer Spaziergang am Ufer, um die Beine nach der Fahrerei auszuschütteln.
  2. Genuss: Ein kühles, alkoholfreies belgisches Bier in der Abendsonne.
  3. Kulinarik: Zum Abendessen gab es am Imbisswagen Stoofvlees – ein belgisches Rinderragout auf Goldgelben Pommes. Ein absolutes Gedicht.

Ich kam noch mit einem belgischen Truckerpärchen ins Gespräch. Sie waren ganz verliebt in meinen Scania und wir fachsimpelten bis zum Sonnenuntergang über die besten Routen durch die Benelux-Staaten. Nummern wurden getauscht – man sieht sich immer zweimal im Leben.


Rotterdam: Regenbogen über dem Stahlriesen

Der nächste Morgen begrüßte mich mit dem typischen Benelux-Wetter: Ein wilder Mix aus Regenschauern und gleißendem Sonnenlicht. Kurz vor Rotterdam wurde es kurz brenzlig, als ein PKW-Fahrer meine Bremswege völlig unterschätzte. Dank genug Sicherheitsabstand blieb es bei einem kurzen Adrenalinschub.

Als Entschädigung zeigte sich kurz vor den Toren der Stadt ein riesiger Regenbogen über der Autobahn. Rotterdam beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue. Diese Skyline, die gigantischen Kräne, die wie metallische Urzeitwesen über den Hafen wachen – hier schlägt das logistische Herz Europas.


Hafen-Feeling und Kapsalon-Finale

Das Abladen des JCB im Hafengebiet war pure Effizienz. Die Niederländer fackeln nicht lange: Einweisen, Abladen, Papiere, fertig. Profis unter sich.

Nachdem ich den Leih-Trailer zurückgegeben und den Scania sicher geparkt hatte, gönnte ich mir den krönenden Abschluss: Einen langen Spaziergang über die Erasmusbrücke und einen echten Kapsalon (der legendäre niederländische Mix aus Pommes, Fleisch, Käse und Salat). Mit Blick auf die Lichter der Stadt und die riesigen Schiffe im Hafen ließ ich den Tag ausklingen.

Mein Fazit: Es muss nicht immer der komplizierteste Schwertransport sein. Diese Tour war Balsam für die Trucker-Seele. Freiheit, gutes Essen und tolle Menschen.

Wie sieht’s aus, Dispo? Mein Handy liegt bereit. Geht es von Rotterdam aus weiter in den Norden? Oder wartet in Deutschland wieder ein „schwerer Brocken“ auf mich?

Von tuks