Die Route: Dover (UK) – Calais (F) – Antwerpen (B) – Hamburg (D) – Stockholm (S)
Die Fracht: 39t Mobile Siebmaschine (Schwerlast)
Dover: Ein Klumpen Stahl am Haken
Kaum war der Benzintanker leer, schickte mir die Dispo die Koordinaten für den Rückweg. „Kyrre, wir haben was für einen Tieflader. Eine mobile Siebanlage für ein schwedisches Bergbauprojekt. Aber Achtung: Das Teil wiegt 39 Tonnen.“
39 Tonnen plus das Eigengewicht des Trailers – da kratzen wir am Limit des Scania S. Als ich die Rampe am Hafen von Dover hochfuhr, um das Ungetüm zu übernehmen, wirkte die Siebmaschine wie ein schlafender Riese aus Stahl und Ketten. Das Verladen dauerte Stunden. Jede Kette musste perfekt sitzen, jeder Spanner mit maximaler Kraft angezogen werden. Mit diesem Schwerpunkt wird jede Kurve zur Mutprobe.
Das Abenteuer: Die Blockade im belgischen Nebel
Nach der Überfahrt nach Calais rollte ich durch die Nacht Richtung Belgien. Und hier passierte es: Kurz hinter Antwerpen zog ein Nebel auf, so dicht, dass die Welt vor meiner Windschutzscheibe einfach verschwand. Plötzlich sah ich im trüben Gelb meiner Scheinwerfer Warnblinker.
Vollsperrung wegen eines Unfalls. Nichts ging mehr. Normalerweise heißt das: Motor aus, Kaffee trinken. Aber ich stand auf einer leichten Steigung, und der Boden war durch den Nebel schmierig geworden. Als der Verkehr nach zwei Stunden wieder anrollte, passierte der Albtraum jedes Schwerlastfahrers: Kein Grip.
Die Reifen des Scania suchten Halt, aber die 39 Tonnen im Rücken drückten mich gnadenlos nach unten. Die Antriebsräder begannen zu rauchen, der Scania bebte unter der Last. Ein polnischer Kollege hinter mir sah das Drama, sprang aus seinem Führerhaus und streute mit einer Schaufel Sand und Splitt unter meine Reifen.
Der Moment der Wahrheit: Mit dem letzten bisschen Drehmoment, Zentimeter für Zentimeter, krallte sich der Scania in den Asphalt. Der Motor brüllte auf, die Ketten des Trailers klirrten, und schließlich machten wir den entscheidenden Meter. Ein Daumen hoch zum Kollegen, ein tiefes Durchatmen – das war knapper, als mir lieb war.
Deutschland im Tiefflug (bei 60 km/h)
Der Rest der Fahrt durch Deutschland war eine Geduldsprobe. Mit dieser Tonnage darf man nicht hetzen. In der Nähe von Hamburg machte ich einen kurzen Boxenstopp an unserer Zentrale. Nur ein schneller Gruß, ein frischer Satz Papiere und weiter ging’s. Die Elbbrücken bei Sonnenaufgang mit diesem massiven Brocken auf dem Rücken zu überqueren, gab mir das Gefühl, wirklich etwas zu bewegen.
In Puttgarden ging es auf die Fähre nach Rødby. Die See war ruhig, was mir ganz recht war – ich wollte keine schwankende 39-Tonnen-Last bei Wellengang riskieren.
Schweden: Das Finale auf der E4
Hinter der Öresundbrücke empfing mich Schweden mit klarem Wetter und weiten Straßen. Die Fahrt nach Stockholm ist für einen Scania quasi ein Heimspiel. Trotzdem: Die Steigungen rund um den Vätternsee zwangen mich in die niedrigen Gänge. Der Scania S von 2016 zeigte hier sein wahres Herz – er kämpfte sich hoch, stoisch und unaufhaltsam.
Kurz vor Stockholm hielt ich an einem Rastplatz für ein spätes Abendessen: Pyttipanna (schwedische Bratkartoffel-Pfanne) mit Spiegelei. Ich saß im Führerhaus, die Beine hochgelegt, und schaute auf den riesigen Schatten der Siebmaschine im Rückspiegel. Morgen früh wird sie im Steinbruch erwartet.
Stockholm: Mission erfüllt
Die Ankunft am Zielort im Norden Stockholms war spektakulär. Die Baustelle lag in einem alten Steinbruch. Als ich den Giganten sicher abgeladen hatte, kam der Bauleiter mit einem Klemmbrett zu mir. „Great job, Kyrre. Wir dachten schon, die Maschine schafft es wegen des Wetters in Belgien nicht rechtzeitig.“
Ich grinste nur, klopfte auf das Emblem meines Scania und dachte an den Sand des polnischen Kollegen. Teamwork macht den Traum wahr, auch auf 18 Rädern.
Und jetzt? Ich stehe jetzt in Stockholm, der Trailer ist leer und der Scania hat sich eine Wäsche verdient. Die Dispo tippt wahrscheinlich schon den nächsten Auftrag. Sollen wir in Schweden bleiben und vielleicht Holz für den Süden laden? Oder gibt es in Finnland etwas, das unsere Hilfe braucht?
