Die Route: Aalborg (DK) – Hamburg (D) – Calais (F) – Dover (GB)
Die Fracht: 21,8t Benzin (Gefahrgut / ADR)
Aalborg: Wenn Sicherheit an erster Stelle steht
Der Morgen in Aalborg war grau und verregnet, aber das passte zur Stimmung. Bei Gefahrgut gibt es keinen Platz für lockere Sprüche. Bevor der erste Tropfen Benzin in den Tankauflieger floss, stand die Sicherheitsprüfung an: Erdungskabel angeschlossen? Feuerlöscher geprüft? Warntafeln ausgeklappt? Die Nummer 1203 auf der orangefarbenen Tafel signalisierte jedem: Hier kommt leicht entzündbares Benzin.
Mit 21,8 Tonnen hochexplosiver Fracht im Rücken fühlte sich der Scania S fast majestätisch an. Man fährt nicht nur ein Fahrzeug, man führt eine Verantwortung. Sanftes Anfahren, vorausschauendes Bremsen – jede ruckartige Bewegung ist bei Flüssigkeiten tabu, da die Ladung im Tank sonst ins Schwingen gerät.
Die lange Fahrt durch die Nacht
Die Strecke von Dänemark runter Richtung Deutschland zog sich. Ich entschied mich, die Nacht für die Durchquerung Norddeutschlands zu nutzen, um dem Berufsverkehr rund um Hamburg zu entgehen. Der Elbtunnel bei Nacht ist immer ein Erlebnis – die gelben Lichter spiegelten sich im glänzenden Chrom meines Tankers.
Zwischenstopp in der Lüneburger Heide: Gegen drei Uhr morgens eine Zwangspause. Bei Gefahrgut parke ich immer etwas abseits der Masse, Sicherheit geht vor. Ich kochte mir im Führerhaus einen Kaffee, der schwarz wie die Nacht war. Draußen prasselte der Regen gegen die Scheiben, während ich die Papiere für den Eurotunnel und die Fähre noch einmal checkte. Großbritannien hat seine eigenen Tücken, was Zoll und ADR-Bestimmungen angeht.
Frankreich: Das Tor zur Insel
Hinter der belgischen Grenze Richtung Calais besserte sich das Wetter. Die Sonne kämpfte sich durch die Wolken, als ich die riesigen Logistik-Terminals der Kanalküste erreichte. In Calais angekommen, wurde es ernst: Sicherheitscheck durch die Hafenbehörden. Die Franzosen sind bei Gefahrgut extrem penibel. Jede Plombe wurde kontrolliert, mein ADR-Schein mehrfach geprüft.
Dann kam das Boarding auf die Fähre. Es ist ein seltsames Gefühl, mit über 21 Tonnen Benzin auf ein Schiff zu rollen. Wir „ADR-Jungs“ haben unsere festen Stellplätze, meistens ganz hinten oder an den Seiten, gut belüftet und fernab von den Passagierbereichen.
Die Überfahrt: Die weißen Klippen im Visier
Während der Überfahrt gönnte ich mir im Trucker-Bereich ein „Full English Breakfast“ – man muss sich ja schon mal auf das Ziel einstellen. Beans, Bacon und Würstchen, dazu ein Becher Tee. Ich stand eine Weile an Deck und beobachtete, wie die weißen Klippen von Dover langsam aus dem Dunst auftauchten. Ein imposanter Anblick, egal wie oft man ihn schon gesehen hat.
Die Fähre legte sanft an, und dann kam der Moment, der jedem Festland-Fahrer kurz den Schweiß auf die Stirn treibt: Linksverkehr.
Dover: Willkommen auf der linken Seite
Mit dem schweren Tanker aus dem Hafen von Dover herauszufahren, verlangt höchste Konzentration. „Links bleiben, links bleiben“, murmelte ich vor mich hin, während ich den Scania behutsam durch die Kreisverkehre manövrierte. Die britischen Straßen sind eng, und mit 21,8 Tonnen brennbarer Last im Nacken gibt es keinen Raum für Fahrfehler.
Die Entladestelle in einem Depot kurz hinter Dover war schnell erreicht. Das Team vor Ort arbeitete hochprofessionell – Schläuche ran, Gasrückführung aktiviert, und dann floss das „flüssige Gold“ in die Erdtanks. Als der Zeiger schließlich auf Null stand, fiel die Anspannung von mir ab.
Feierabend in Kent
Nachdem der Tanker leer und gereinigt war (ein Muss nach so einer Tour!), parkte ich auf einem Truckstop in der Nähe von Ashford. Zum Abendessen gab es ganz klassisch Fish and Chips in Zeitungspapier gewickelt. Der Wind pfiff über die Felder von Kent, und im Scania war es gemütlich warm.
Und nun? Ich sitze hier bei einem letzten Tee und warte auf die Nachricht aus Hamburg. Bleiben wir auf der Insel und holen eine Ladung britisches Bier für den Kontinent? Oder geht es leer zurück zur Fähre, weil in Holland ein dringender Schwertransport wartet?
