Schwere Fracht und leere Kilometer: Der Öresund-Pendel

Die Route: Kopenhagen – Malmö – Aalborg

Die Fracht: Leerfahrt / 30,1t Altverpackungen (Recycling-Power)

Der Sprung über den Sund: Kopenhagen – Malmö

Nach der süßen Last der Schokolade fühlte sich der Scania auf dem Weg von Kopenhagen nach Malmö fast federleicht an. Es war eine dieser seltenen Leerfahrten, die man fast wie eine Urlaubsreise genießt. Die Öresundbrücke lag im ersten Morgenlicht vor mir – ein majestätisches Bauwerk aus Stahl und Beton, das die Seele von Dänemark und Schweden verbindet.

Ohne Gewicht im Rücken schluckte der Scania die Steigung der Brücke mühelos. Ich kurbelte das Fenster ein Stück runter, ließ die frische, kalte Seeluft ins Fahrerhaus und genoss den Moment, in dem man sich fühlt, als würde man über das Meer fliegen. In Malmö angekommen, ging es direkt zum Recycling-Hof im Industriehafen. Zeit, den Leerlauf zu beenden.


Malmö: 30,1 Tonnen „Müll“ sind Schwerarbeit

Die Dispo hatte nicht untertrieben. 30,1 Tonnen gepresste Altverpackungen. Das ist kein Pappenstiel – das ist das Maximum dessen, was man dem Gespann zumuten möchte. Als die schweren Ballen auf den Trailer geladen wurden, ging der Scania merklich in die Knie.

Ich überprüfte die Ladungssicherung doppelt. Recyclingmaterial neigt dazu, sich zu setzen, also mussten die Gurte sitzen wie eine zweite Haut. Mit über 30 Tonnen Fracht wird jede Kurve und jeder Bremsvorgang zur Physik-Lektion. Ein kurzer Check der Achslast auf der Waage – alles im grünen Bereich, aber am Limit.


Die E45 ruft: Mit Geduld zurück nach Jütland

Von Malmö aus ging es zurück über die Brücke, vorbei an Kopenhagen und dann das lange Band der E45 Richtung Norden. Diesmal war nix mit „über die Autobahn fliegen“. Mit dieser Tonnage im Rücken merkt man jede kleinste Steigung. Der Scania arbeitete tief und sonor, der Turbo pfiff leise unter Last.

Mittagspause in der Nähe von Vejle: Ich hielt an einem meiner Lieblings-Autohöfe. Mein Körper verlangte nach etwas Deftigem. Es gab Frikadeller mit Kartoffelsalat und brauner Sauce. Während ich aß, beobachtete ich den Scania durch das Fenster des Restaurants. Er wirkte massiv und zuverlässig unter der schweren Last. Ein paar dänische Fernfahrer am Nachbartisch nickten mir anerkennend zu – man sieht dem Truck an, wenn er „schwer arbeitet“.


Ankunft in Aalborg: Die Ruhe vor dem Sturm

Gegen Abend rollte ich in Aalborg ein. Das Abladen der Altverpackungen bei der Recycling-Anlage dauerte seine Zeit, aber die Jungs dort waren eingespielt. Als der Trailer schließlich leer war, fühlte es sich an, als hätte der LKW einmal tief ausgeatmet.

Ich brachte den Scania auf einen bewachten Parkplatz in der Nähe des Hafens. Die Knochen waren müde, aber der Kopf war schon beim nächsten Tag. Ich warf einen Blick auf die Papiere für morgen: Über 20 Tonnen Benzin. Ein Gefahrgut-Transport (ADR). Das bedeutet: höchste Konzentration, orangefarbene Warntafeln und null Fehlertoleranz.

Aber das ist ein Problem für den „Morgen-Kyrre“. Heute Abend gab es nur noch eine heiße Dusche im Autohof und ein kurzes Telefonat mit der Zentrale in Hamburg.


Der Blick in die Sterne (und in den Tank)

Ich saß noch einen Moment auf dem Trittbrett, schaute in den weiten dänischen Himmel und genoss die Stille des Hafens. Morgen wird es ernst – brennbarer Treibstoff ist eine ganz andere Hausnummer als Schokolade oder Papiermüll. Aber genau diese Abwechslung ist es, die mich immer wieder auf den Bock zieht.

Von tuks