Von Mode und Mitternachtssonne – ein Roadtrip nach Helsingborg

Die Route: Rotterdam – Hamburg – Kopenhagen – Helsingborg

Die Fracht: 24,1 Tonnen Textilien (und ein Kopf voller Gedanken)

Rotterdam: Wenn „Routine“ nach Freiheit klingt

Der Morgen in Rotterdam startete unspektakulär. Ein Anruf der Dispo: „Kyrre, wir haben was ganz Entspanntes für dich. Ein Routine-Job. 24,1 Tonnen Kleidung für ein Logistikzentrum in Helsingborg.“

Kleidung? Das hieß: keine Überbreite, keine Eskorte, keine Sondergenehmigungen, die man nachts um drei erklären muss. Nur ich, mein Scania und ein gewöhnlicher Auflieger. Aber Routine bedeutet auf der Straße niemals Langeweile. Ich nahm mir vor, diese 1.000 Kilometer quer durch Europa nicht nur abzuspulen, sondern zu genießen. Trailer angekuppelt, Ladung gesichert, Diesel im Tank – auf geht’s Richtung Norden.


Tag 1: Regen, Staus und das „Standstreifen-Konzert“

Die Niederlande glitten entspannt an mir vorbei, doch hinter Osnabrück zeigte die A1 ihr wahres Gesicht. Ein Unfall, Vollsperrung, Dauerregen. Das Übliche. Doch genau in solchen Momenten zeigt sich der Zusammenhalt auf der Piste.

Ich landete in einer kleinen Gruppe von drei Trucks. Man kam ins Gespräch, und plötzlich passierte das Unvorhersehbare: Einer der Kollegen holte seine Gitarre aus dem Führerhaus und stimmte mitten auf dem Standstreifen ein paar Country-Akkorde an. Da standen wir nun – im Regen, zwischen tonnenschweren Maschinen – und lachten uns den Frust über den Stau von der Seele. Ein kleiner Moment Menschlichkeit, bevor der Verkehr wieder anrollte.


Zwischenstopp in der Heimat: Wenn der Chef auf einen Kaffee vorbeischaut

Da Hamburg ohnehin auf meiner Route lag, schlug ich am frühen Nachmittag auf unserem Hof bei der TUKS-Zentrale auf. Es ist immer ein besonderes Gefühl, als Inhaber nicht im feinen Zwirn, sondern im Trucker-Outfit vorzufahren.

Im Besprechungsraum dampfte der Kaffee, und wir hielten eine spontane Runde mit der Geschäftsführung und den Prokuristen ab.

  • Expansion: Unsere neue Niederlassung auf Rhodos nimmt Formen an.
  • Strategie: Wir gingen die Zahlen der letzten Wochen durch.

Ich lasse meinem Team gerne freie Hand – ich vertraue meinen Leuten. Aber es tat gut, die Begeisterung in ihren Augen zu sehen. Nach einem kurzen Dank an die Mädels aus der Buchhaltung drückte ich wieder den Startknopf meines Scania. Chef sein ist eine Verantwortung, aber die Straße… die Straße ist meine Leidenschaft.


Tag 2: Windspiele und dänische Gastfreundschaft

Nach einer Nacht im Führerhaus (Fischbrötchen-Frühstück an den Landungsbrücken inklusive!) ging es Richtung Flensburg. Die A7 empfing mich mit strahlendem Sonnenschein. Die riesigen Windparks in Schleswig-Holstein drehten sich im Wind wie gigantische, moderne Skulpturen.

Hinter der dänischen Grenze bei Kolding gönnte ich mir eine längere Pause in einem urigen Gasthaus.

Ein Gruß aus der Küche: Es gab Smørrebrød mit frischem Lachs. Die Wirtin, eine ehemalige Fernfahrerin, setzte sich kurz zu mir. Wir lachten über das Klischee, dass Kleidungstransporte langweilig seien. „Die Fracht ist egal“, sagte sie, „es sind die Kilometer dazwischen, die zählen.“

Später, auf der Storebælt-Brücke, forderte mich die Natur heraus. Die Böen rissen am Trailer, und ich musste das Lenkrad fest umschließen. Konzentration pur, während unter mir die Ostsee peitschte.


Tag 3: Das Glühen über dem Öresund

Kurz vor Kopenhagen kam das absolute Highlight: die Öresundbrücke. Ich hatte das Timing perfekt abgepasst. Die Sonne versank gerade im Meer und tauchte die Stahlkonstruktion und das Wasser in ein tiefes, glühendes Orange. Das sind die Augenblicke, in denen man vergisst, dass man 24 Tonnen Fracht im Rücken hat.

Wegen einer Baustelle musste ich kurz vor dem Ziel einen Umweg durch das schwedische Hinterland nehmen. Ein Segen im Nachhinein: Ich rollte durch verschlafene Dörfer mit den typischen roten Holzhäusern. Es roch nach Kaminfeuer und frischem Holz. An einer Tankstelle gönnte ich mir um Mitternacht noch einen schwedischen „Kick“: Kanelbullar (Zimtschnecken) und einen Kaffee, der so stark war, dass er mich direkt bis Helsingborg katapultierte.


Ankunft in Helsingborg – Einmal tief durchatmen

Am nächsten Morgen lieferte ich pünktlich ab. Das Logistikzentrum war modern, die Abwicklung ein Kinderspiel. Nachdem der Trailer leer war, parkte ich am Sund und spazierte ein wenig am Ufer entlang.

Ich sah den Fähren nach Helsingør zu und ließ die Tour Revue passieren. Es war kein spektakulärer Schwertransport, kein Zeitdruck-Drama. Aber es war eine Reise, die mir gezeigt hat: Manchmal sind es die kleinen Dinge – ein Lied im Stau, ein Gespräch in Dänemark oder das Licht auf einer Brücke -, die einen Job zur Berufung machen.

Von tuks