Schwerlast nach Westen – Mit 44 Tonnen durch Europa

Die Route: Nürnberg – Reims – Paluel (Normandie)

Die Fracht: Eine Asphaltfräse vom Typ Wirtgen (Schwerlast)

Nürnberg: Wenn der Kaffee noch nicht wirkt, aber die Dispo schon ruft

Eigentlich hatte ich gehofft, nach der Queen V39 wenigstens ein paar Stunden länger in den Hotelkissen zu versinken. Aber kaum war das erste Licht über Nürnberg zu sehen, vibrierte das Handy. Die Dispo, wer sonst.

„Kyrre, wir brauchen dich. Ein echter Brocken: Eine 44-Tonnen-Asphaltfräse muss nach Paluel an die französische Küste. Die Baustelle dort steht still, wenn das Ding nicht pünktlich ankommt.“

Ein Job für TUKS, genau nach meinem Geschmack. Also: Schnell noch einen Espresso im Stehen, auschecken und ab zum Hof. Dort wartete bereits das passende Werkzeug: Ein mächtiger, hydraulisch absenkbarer Tieflader. Das Ungetüm von Fräse aufzufahren, war reine Millimeterarbeit. Zwei Stunden lang haben wir gewinkelt, Rampen justiert und am Ende massive Sicherungsketten verzurrt. Bei 44 Tonnen gibt es keinen Spielraum für Fehler – da hat Schwerlast seine ganz eigenen, unerbittlichen Gesetze.


Deutschland: Kraftprobe am Berg

Mit so einem Gewicht am Haken ändert sich alles. Man fährt nicht mehr einfach, man „dirigiert“ den Scania. Die Steigungen hinter Würzburg wurden zum Geduldsspiel. Ich spürte, wie der Motor arbeitete, tief und grollend, während ich mich mit Ruhe und Geduld die Autobahn hochschob.

Das Frühstück gab es stilgerecht im Führerhaus: Ein belegtes Brötchen und ein Apfelsaft. Zeit für große Pausen war nicht drin, der Zeitplan saß mir im Nacken. Kurz vor Saarbrücken dann doch ein kleiner Lichtblick während der Lenkzeitpause: Ich traf einen französischen Kollegen, der Windkraftflügel transportierte. Ein kurzes Fachsimpeln über den Wahnsinn des Papierkrams bei Sondertransporten, ein paar Tipps für die Route durch die Normandie, und schon rollte ich weiter Richtung Grenze.


Frankreich: Gendarmerie und die Kunst des Baguettes

Direkt hinter der Grenze wurde es offiziell: Blaulicht. Die Gendarmerie bat zur Kontrolle. Ladungssicherung, Achslasten, Genehmigungen – die Beamten waren gründlich, aber beeindruckt von der sauberen Arbeit. Mit einem freundlichen „Bon courage!“ (Viel Erfolg!) im Ohr durfte ich weiter.

Die Strecke führte quer durch den Norden Frankreichs, vorbei an der Champagne-Metropole Reims bis nach Rouen. Das Wetter war ein echtes Wechselbad: Eben noch prasselnder Regen, der die Sicht auf ein Minimum reduzierte, dann wieder strahlender Sonnenschein, der die nassen Straßen zum Glitzern brachte. Die schwere Fräse im Rücken blieb unbeeindruckt – bombenfest verzurrt, als wäre sie ein Teil des Chassis.

Mittags gab es das obligatorische Upgrade: Ein frisches Baguette mit Schinken und Käse und einen Café au Lait von einem kleinen Rastplatz-Bistro. Einfach, aber nach Stunden hochkonzentrierter Fahrt ein wahrer Genuss.


Paluel: Wo der Diesel auf Meeresluft trifft

Nach knapp zwei Tagen erreichte ich schließlich die Normandie. Plötzlich verändert sich die Luft – sie wird feuchter, kühler und riecht nach Salz. Als ich in Paluel einfuhr, sah ich die Baustelle schon von weitem. Ein Meer aus gelben Warnwesten, Kränen und wartenden Straßenbaumaschinen. Ich war das fehlende Puzzleteil.

Das Abladen war ein eingespielter Tanz zwischen mir und dem Team vor Ort. Als die Fräse schließlich sicher auf dem Asphalt stand, kam der Polier zu mir herüber und klopfte mir gegen die Fahrertür.

„Merci, mon ami! Ohne dich und dieses Biest könnten wir morgen einpacken. Punktlandung!“


Feierabend mit Atlantikblick

Nachdem ich den Trailer beim Partner-Vermieter abgestellt und den Scania sicher geparkt hatte, bezog ich ein kleines Hotel direkt an der Küste. Die Arbeit war getan, das Adrenalin der Fahrt langsam verflogen.

Zum Abschluss des Tages gab es das volle Programm: Eine Schüssel Muscheln in Weißweinsauce und natürlich noch mehr frisches Baguette. Während ich auf die Wellen schaute, die gegen die Felsen der Normandie schlugen, spürte ich die angenehme Müdigkeit in den Knochen. Wieder ein Schwerlast-Job erledigt, wieder ein zufriedener Kunde.

Von tuks