Logbuch: Von der Mittelmeersonne in die Frankenmetropole


Die Reise der „Queen V39“: Ajaccio – Nürnberg

Ajaccio – Wenn der Morgen nach Diesel und Espresso schmeckt

Nach einer Nacht in Ajaccio gab es das Standard-Frühstück für harte Tage: ein ofenwarmes Baguette, dazu ein doppelter Espresso, der stark genug war, um Tote aufzuwecken. Der Auftrag heute? Ein echtes Schmuckstück. Eine 9,9-Tonnen-Yacht vom Typ Queen V39. Zielort ist ein exklusiver Händler in Nürnberg.

Wie üblich organisierte ich mir einen passenden Trailer vor Ort. Als er am Hafen vorfuhr, glänzte der Lack noch wie neu – ein seltener Anblick im Mietgeschäft. Die Verladung war Präzisionsarbeit: Der Hafenkran senkte die „Queen“ millimetergenau auf die Stützen, während ich die massiven Spanngurte festzog. Ein letzter prüfender Blick auf die Ladungssicherung, der Kuli kratzte über die Frachtpapiere, und dann erwachte der 2016er Scania S mit seinem vertrauten Grollen zum Leben.


Serpentinen, Schweiß und Seeluft

Die Fahrt quer über Korsika ist jedes Mal eine Herausforderung. Diesmal blieben mir die Regengüsse erspart, dafür brannte die Sonne so heiß auf die roten Felsen, dass die Luft flimmerte. An einer der berüchtigten Engstellen wurde es dann doch kurz eng: Ein Reisebus kam mir in einer Kurve deutlich zu flott entgegen.

Zentimeterarbeit: Ich musste den schweren Zug bis an den äußersten Rand des Abgrunds manövrieren. Ein kurzer Gruß des Busfahrers, ein dankbares „Merci“ durch das offene Fenster – auf der Insel gehört dieser Nervenkitzel einfach dazu.

In Bastia ging es nachmittags auf die Fähre Richtung Livorno. Die Überfahrt nutzte ich für eine ordentliche Mahlzeit im Bordrestaurant: Penne all’arrabbiata (ordentlich scharf!) und ein alkoholfreies Moretti. Ich kam mit einem italienischen Kollegen ins Gespräch. Wir haben sicher eine Stunde lang über die explodierenden Dieselpreise und die besten Duschen an der Strecke philosophiert. Networking auf hoher See eben.


Bella Italia: Hitze und eine helfende Hand

Hinter Livorno zog sich die Strecke über Bologna und Mailand wie ein heißes Band durch die Landschaft. Das Thermometer im Scania zeigte 34°C. Eigentlich lief alles perfekt, bis ich im rechten Außenspiegel plötzlich Vibrationen bemerkte, die da nicht hingehörten.

Auf der nächsten Raststätte die Diagnose: Eine Halteschraube hatte sich losgerüttelt. An sich kein großes Ding, aber natürlich lag mein passendes Werkzeug ganz unten in der Kiste. Ein Kollege aus Verona sah mein Fluchen, kam mit seinem Werkzeugkoffer rüber und wir haben die Sache gemeinsam in fünf Minuten erledigt. Ein schneller Espresso im Stehen, ein kurzes „Grazie!“ und weiter ging’s.

Die Nacht verbrachte ich in der Lombardei. Neun Stunden Ruhezeit, im Führerhaus gab es Mortadella-Ciabatta und eiskaltes Wasser, während draußen die Grillen zirpten.


Die Schweiz: Kontrollen und Postkarten-Idylle

Der Gotthard zeigte sich am nächsten Morgen von seiner besten Seite. Klare Bergluft, schneebedeckte Gipfel und die dunklen Röhren der Tunnel. Kurz nach dem Tunnel das obligatorische „Bitte folgen“.

Die Schweizer Zollbeamten waren zwar freundlich, aber sie nahmen es genau:

  • Ladungspapiere? Check.
  • Frachtgewicht? Passt.
  • Sicherung der Queen? Bombenfest.

Nach zehn Minuten durfte ich weiter. Zum Mittagessen gab es am Vierwaldstättersee eine Portion Rösti mit Bergkäse und Spiegelei. In solchen Momenten, wenn man über das tiefblaue Wasser schaut, weiß man wieder, warum man diesen Job macht.


Endspurt nach Franken

Nach dem Grenzübergang Basel ging es auf die deutsche A5. Das Wetter war typisch April-Stimmung im Zeitraffer: Sonne, Schauer und ein riesiger Regenbogen über dem Schwarzwald. Vor Würzburg dann der Klassiker: Baustelle, Stop-and-go, vier Kilometer zähes Warten.

Ich nutzte die Zeit für einen Call mit der Dispo. Die gute Nachricht: In Nürnberg stand alles bereit, die Jungs vom Händler warteten schon. Nach einer letzten Currywurst bei Ansbach – Trucker-Kultur verpflichtet schließlich – rollte ich gegen 19:30 Uhr auf das Gelände des Yacht-Händlers.


Mission erfüllt: Die Queen ist im Hafen

Das Abladen war ein Schauspiel für sich. Ein Spezialkran hob die Queen V39 sanft vom Trailer. Der Käufer, ein älterer Herr im weißen Polohemd, stand daneben und hatte dieses Funkeln in den Augen – wie ein kleiner Junge vor dem Weihnachtsbaum.

Den leeren Trailer habe ich noch beim Verleiher abgeliefert, den Scania auf dem Hof geparkt und mir dann das größte Hotelbett gesucht, das ich finden konnte. Die Knochen sind müde, aber der Kopf ist zufrieden.

Wie geht’s weiter? Das Handy liegt auf dem Nachttisch. Die Dispo schläft nie lange. Vielleicht wartet morgen ein Schwertransport oder es geht wieder zurück in den Süden. Hauptsache, der Asphalt ruft.

Von tuks