Es war März ’25 als mich ein ein Unternehmen anrief und fragte, ob ich dringend eine Jacht von Portugal nach Litauen transportieren kann.
3.654km und nur wenig Zeit. Der Empfänger wartet bereits und das geplante Unternehmen war abgesprungen. Nun muss alles ganz schnell gehen, der Wert des Auftrags soll über 250.000€ betragen. Ich war selbst zu dem Zeitpunkt des Anrufs in Spanien unterwegs, genau genommen in Murcia. Gerade angekommen und fast 30t Lieferung von Huelva abgeliefert. Ich rief meine Dispo an ob gerade Fahrer/innen in der Nähe von Coimbra sind, doch selbst die portugiesischen Fahrer/innen sind alle unterwegs oder im Frei. Für mich war hier in Murcia eigentlich erstmal Feierabend. Ich wollte ein paar Tage an die Küste und entspannen, das Gute dabei – ich hatte keinen Auftrag und war mit dem MB New Actros hier. Der Disponent sagte mir in Scherzhaftem Ton, er könnte mir eine Tour Getränke von Murcia nach Coimbra organisieren und in Coimbra steht unser eigener Trailer frei, den ich für die Jacht nutzen kann.
Was für eine Entscheidung… also kurzerhand den Urlaub gecancelt und stattdessen zwei Container Getränke aufgeladen (ich war mit mit dem großen eigenen Trailer unterwegs) und direkt los, 1.086km.
Schon nach kurzer Strecke musste ich erstmal an den Rastplatz. Tanken für über 1.300€ und ganz nebenbei mal ein paar Stunden schlafen und dann frisch gemacht weiter Richtung Coimbra.
Endlich in Coimbra angekommen wurden die beiden Container vom Trailer abgeladen, was ein super Service dort. Kaffee und Kuchen während der Wartezeit. Auch WC und Dusche stand hier für die Trucker zur Verfügung. Das sieht man selten.
Nach dem die Container runter waren, musste ich den Trailer zu unserer Niederlassung in Coimbra bringen. Dort angekommen habe ich den anderen Trailer vermissend bei der Dispo angerufen, die Kollegin, die meinen Anruf annahm erzählte mir, dass der Kollege vorher einen Fahrer aus dem Frei holen konnte, der zumindest den Trailer schon mal zur Jacht bringen konnte, sodass die Jacht verladen auf mich wartet. Perfekt.
Also ab zum nächsten Kunden und sofort meinen Trailer samt Jacht gefunden. Mit dem Unternehmen noch kurz den Rest besprochen ging die Tour auch schon los. Es warteten 3.654km auf mich.
Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Polen, Litauen.
Auf der Tour habe ich viele nette Truckerinnen und Trucker getroffen. Bei so einer Strecke und mit so einer Fracht führt man so einige Gespräche. Mal abgesehen von einem totalen Verkehrschaos in Duisburg, verlief die Tour sehr gut.
Jetzt aber im Detail:
Ich startete früh am Morgen in Coimbra, Portugal. Mein Name ist Kyrre, und ich fahre für TUKS — Transport und Kurier Services. Der Duft von frischem Kaffee hing noch in der Luft, als ich den Motor meines MB New Actros startete. Vor mir lagen mehr als 3.600 Kilometer bis nach Vilnius, Litauen. Die ersten Stunden verliefen ruhig. Die Sonne ging über den Bergen Nordspaniens auf, und ich fuhr konzentriert Richtung Valladolid. Nach viereinhalb Stunden machte ich meinen ersten Stopp, trank einen Kaffee und streckte die Beine. Später, nach weiteren Stunden am Steuer, beendete ich meinen ersten Tag nahe der französischen Grenze bei Irún. Zeit für die vorgeschriebene Ruhe — und ehrlich gesagt war ich froh, mal durchzuatmen.
Am zweiten Tag ging es durch Frankreich. Ich rollte vorbei an Bordeaux, durch weite Felder, und weiter Richtung Reims. Die Sonne färbte am Abend den Himmel rosa-orange, als ich meinen LKW auf einem Rastplatz abstellte. Ich wusste: Morgen würde es anspruchsvoll werden.
Der dritte Tag begann mit dem ersten Licht. Über die belgische Grenze ging es vorbei an Namur und Lüttich. Alles lief nach Plan — bis hinter Aachen. Plötzlich: Stau. Baustellen und dichter Verkehr rund um Duisburg raubten mir Zeit und Nerven. Ich konnte nur Geduld haben. Als meine Lenkzeit fast aufgebraucht war, fand ich gerade noch rechtzeitig einen Parkplatz am Autohof bei Oberhausen. Zwölf Stunden Pause — ob ich wollte oder nicht.
Am vierten Tag fuhr ich bei Morgendämmerung weiter. Die Felder glänzten feucht im ersten Licht, während ich über Hannover, Hamburg und Lübeck Richtung Polen rollte. Am Abend, bei Stettin, hielt ich an. Der Sonnenuntergang war spektakulär, aber ich war einfach müde.
Die letzte Etappe war lang, aber ruhig. Durch Polen und schließlich über die Grenze nach Litauen. Der Sonnenaufgang begleitete mich auf den letzten Kilometern. Ich erreichte Vilnius pünktlich. Ich stieg aus, streckte mich, und atmete tief durch. Geschafft. Fracht pünktlich und sicher angeliefert. Ich schloss die Fahrerkabine ab, ging ins Büro des Kunden und holte mir einen starken Kaffee. Für einen Moment war einfach nur Ruhe. Keine Motorengeräusche, kein Verkehr, nur das gute Gefühl: Ich hab’s wieder mal geschafft — Kilometer für Kilometer, Tag für Tag. So läuft’s bei TUKS. Und genau deshalb liebe ich diesen Job.
Tachographen Auszug:
Tag 1 — Coimbra (PT) bis Irún (FR)
- 05:00 — Fahrtbeginn
- 05:00–09:30 — Lenkzeit (4,5h)
- 09:30–10:15 — Pause (45 Minuten)
- 10:15–14:45 — Lenkzeit (4,5h)
- 14:45 — Tagesziel erreicht bei Irún, Tageskilometer: 900 km
- 15:00–06:00 (Folgetag) — Tagesruhezeit (15h Ruhe, inkl. entspanntem Abend)
Tag 2 — Irún (FR) bis Reims (FR)
- 06:00 — Fahrtbeginn
- 06:00–10:30 — Lenkzeit (4,5h)
- 10:30–11:15 — Pause
- 11:15–15:45 — Lenkzeit (4,5h)
- 15:45–16:30 — Zusatzpause aufgrund Müdigkeit
- 16:30–18:30 — Restliche Lenkzeit (2h) bis Reims
- 18:30 — Tagesziel Reims erreicht, Tageskilometer: 850 km
- 19:00–06:00 (Folgetag) — Ruhezeit (11h)
Tag 3 — Reims (FR) bis Oberhausen (DE) über Belgien
- 06:00 — Fahrtbeginn
- 06:00–10:00 — Lenkzeit (4h, zähfließender Verkehr Belgien)
- 10:00–10:45 — Pause
- 10:45–13:30 — Lenkzeit (2,75h) bis kurz vor Duisburg, dann Stau
- 13:30–16:00 — Stau / Stop & Go (noch in der Lenkzeit registriert, aber im Stand)
- 16:00–16:30 — kurze Bewegung, dann Parkplatzsuche
- 16:30 — Parkplatz am Autohof Oberhausen erreicht, Tageskilometer: 500 km
- 16:45–05:00 (Folgetag) — verlängerte Ruhezeit (12h)
Tag 4 — Oberhausen (DE) bis Nähe Stettin (PL)
- 05:00 — Fahrtbeginn
- 05:00–09:30 — Lenkzeit (4,5h)
- 09:30–10:15 — Pause
- 10:15–14:45 — Lenkzeit (4,5h)
- 14:45–15:30 — Pause
- 15:30–18:00 — zusätzliche Fahrzeit (2,5h)
- 18:00 — Stettin erreicht, Tageskilometer: 750 km
- 18:30–06:00 (Folgetag) — Ruhezeit (11,5h)
Tag 5 — Stettin (PL) bis Vilnius (LT)
- 06:00 — Fahrtbeginn
- 06:00–10:30 — Lenkzeit (4,5h)
- 10:30–11:15 — Pause
- 11:15–15:30 — Lenkzeit (4,25h), Grenzübertritt nach Litauen
- 15:30 — Ankunft in Vilnius bei Sonnenaufgang, Tageskilometer: 650 km
- 15:30 — Fahrtende, Übergabe der Fracht, Feierabend